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Barbara Hendricks
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Deutsch Die folgenden Kritiken sind auf Deutsch:
Die Presse Mitwoch 10. Mai 2000

Die Presse Mitwoch 10. Mai 2000
Raffinesse höherer Ordnung, als Schlichtheit getarnt
Barbara Hendricks beglückte im Wiener Konzerthaus mit superben Gershwin-Interpretationen

Starsopranistin singt Jazz! Das klang ein wenig nach Häresie - nud machte gleichzeitig neugierig. Doch eine gleich vorweg: Einen Gershwin-Liederabend sollte man nicht mit einem Jazzkonzert verwechseln, bloß weil dieser König des Tin Pan Alley in seiner Musik Elemente des Jazz, Blues, Ragtime und der Folkmusic mit froßem Geschick melangierte und in der Folge von zahllosen Jazzmusikern interpretiert wurde.

Wem das klar war, der konnte sich nach dem von Pianist Geoff Keezer sehr farbenprächtig intonierten Eröffnungsstück "They can'T take that away from me" zurücklehnen und sich auf einen Sturz nach oben, in die celestalen Gefilde des Great American Songbook vorbereiten. In edles Schwarz gehüllt, betrat die gefeierte Diva die Bühne, senkte ihren verschleierten Blick, intonierte die ersten Noten von "Wonderful", einem der optimistischsten Lieder Gershwins, und gab die Richtung des Abends an: ans Licht, dahin wo die großen Leidenschaften blühen! Da wurde keine Zeit mit dädalischem Scat-Gesang vergeudet, für Hendricks galt es, große Gefühle zu entriegeln.

Das gelang vor allem deshalb vorzüglich, weil Hendricks als Schlichtheit tarnte, was Raffinesse und Delikatesse höherer Ordnung war. Ihre sanften Interpretationen waren niemals in Gefahr in outrierende Geschwätzigkeit auszuarten. In "Embracable You" bewies sie, daß selbst in ihrem Summen mehr Emotionalität steckt, als in vielen kraftstrotzenden, genuinen Jazzinterpretationen.

Die 51jährige beschritt eine Via media zwischen klassischer Liedinterpretation und seelenvoller Jazzintonation, die von blendender Klarheit war. Sie verzehrte sich glaubhaft nach dem Märchenprinzen ("The man I love"), pflückte mit naic wirkender Fröhlichkeit Gänseblümchen von grünen Wiesen ("I got rhythm") und ließ entschlossen die Liebe in ihr Herz spazieren, nur um sie dort festzuhalten ("Love walked in / Our Love is here to stay"). Höhepunkt des erten Teils war das selten gehörte "Soon" aus dem Musical "Strike Up the Band". Hendricks veranschulichte mit ihrem hingebungsvollen Gesang, daß Sehnsucht mehr als bloß eine Leidenstechnik ist, daß sie vielmehr die Urzelle von Lebensgestaltung sein kann.

Der zweite Teil des Abends war dann ausschließlich Stücken aus "Progy & Bess" gewidmet, die sehr expressiv angelegt waren. "Summertime", "My Man's gone" und "I love you Porgy" wurden vom immer lebhafter werdenden Publikum besonders akklamiert. Pianist Keezer brillierte mit Soloexkursionen, die ebenfalls großen Jubel auslösten. Gershwin hätte mit diesem Abend seine Freude gehabt.

Samir H. Köck