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CONCERT REVIEWS
Ray Brown
english language the following reviews are in English:
International Herald Tribune 
23
May 1996
f-flag.gif (212 Byte) Les critiques suivantes sont en francais 
Le Monde 
06 Juillet 2001
Tribune De Genève
23-24 Mars 1996
Deutsch Die folgenden Kritiken sind auf Deutsch:
Allgäuer Zeitung 
08.Mai 01
 
Nürnberger Nachrichten 
01. Mai 01
Westfälische Nachrichten 
27. April 2001
Financial Times Deutschland
11. April 01
Neue Westfälische 
09.04.01
Die Glocke 
09.04.01
Westfalen Blatt 
09.04.01
Süddeutsche Zeitung 
25.07.00
 
Der Spiegel 
01.02.99
Vaterland 
08.10.98
Stuttgarter Zeitung 
14.11.1997

 

Allgäuer Zeitung 08.Mai 01
Elegantes aus dem Bauch eines Unikums
Bassist Ray Brown: Vornehm und experimentierfreudig

Was muß das für ein Mensch sein, der auf der Bühne des ausverkauften Kemptener Kornhauses dieses Monstrum von Kontrabass in der Hand hält oder besser: sich an ihm festhält? [...]
In seiner High-School blickte er [Ray Brown] eines Tages im Zimmer der Musikabteilung einem Kontrabass quasi ins Auge und wusste: Wir werden Freunde - allen Vorurteilen zum Trotz. Ray Brown ist am Bass längst ein Weltstar, und es dürfte beim Gala-Konzert des Jazzfrühlings wenige Besucher gegeben haben, die nach dem Auftritt Browns und seiner Gäste nicht tief berührt den Heimweg ansteuerten.
Es betteln also quasi zwei Fragen um eine Beantwortung: Was ist dieser Brown für ein Mensch? Und: Wie schafft es ausgerechnet ein Kontrabassist, die internationale Jazzszene entscheidend mitzuprägen?
Der Auftritt in Kempten war durchaus dazu angetan, Antworten zu liefern. Wenn der 75-Jährige anfängt, zu einem Thema wie "You are the Sunshine of my Live" seine Improvisationen miteinander zu verketten, wenn er auf seinen Saiten die Töne bluesig langzieht wie einen gut durchgekauten Kaugummi, oder wenn er zu stark swingenden, beinahe funkigen Stücken den rhythmischen Teppich legt, wird klar: Der Mann ist einer der Großen dieser Zeit. Und besitzt Eigenschaften, die Leute in Führungsrollen auszeichnen: Souveränität und Virtuosität im eigenen Spiel, Kreativität, Charisma - einerseits. Das Bedürfnis, talentierten Kollegen ehrlich die Hand zu reichen auf dem Weg nach oben - andererseits.
Aus jenem Ray Brown, der mit Oscar Peterson, Dizzy Gillespie oder Louis Armstrong gemeinsam auf der Bühne stand, der viele hochkarätige Preise einheimste, ist längst ein Förderer geworden. Und so präsentierte er mit George Fludas (Schlagzeug), Larry Fuller (Piano), Regina Carter (Violine), Nicholas Payton (Trompete), Kevin Mahogany (Gesang) oder Holly Hofman (Querflöte) beachtliche Musiker, für die er teilweise so etwas ist wie ein Mentor.
Ray Brown, ein vornehmer Genussmensch. Auch das zeigt sich. Der das Golfspiel liebt, überhaupt das Leben und sene Musik. Eine Musik, die bei ihm nie abdriftet in zu freie, wirre Formen; die stets höflich, elegant, melodiös bleibt. Die gleichwohl von Experimenten lebt. Beispielsweise von jenem, seinem Trio eine Geigerin und ein Querflötistin zuzumischen, denen er Freiheiten zugesteht und Grenzüberschreitungen fordert. Der Schritt zur Klassik ist da nur noch ein winziger.
Wenn Ray Brown am Ende bittet, von weiteren Zugaben abzusehen, weil ihm der Magen knurrt, dann nimmt ihm das keiner übel, aber es schmerzt das Herz: Weil man einem wie ihm stundenlang zuhören könnte - selbst auf einem Unikum wie dem Bass. - Freddy Schissler

Nürnberger Nachrichten - 01. Mai 01
Späte Genugtuung
Ein Jazz-Bassist im Mittelpunkt: Ray Brown spielte in Nürnberg

Ray Brown war Bassist im berühmten Oscar-Peterson-Trio. Er begleitete die großen Jazz-Diven von Ella Fitzgerald über Billie Holiday bis hin zu Dee Dee Bridgewater. Er zupft an der Seite stilbildender Genies wie dem Trompeter Dizzy Gillespie oder den Pianisten Count Basie und Bud Powell. Die späte Genugtuung des fast 75-jährigen Bass-Virtuosen konnte man dem begeistert beklatschten Gastspiel des "Ray Brown Trios" im Nürnberger Karstadt Kulturcafé erleben. [...]
Auf der Bühne lässt der anscheinend bestens gelaunte Entertainer seine brillianten Fähigkeiten für sich sprechen. Denn trotz Verstärkeranlage bleiben die Klangkonturen glasklar. Selten greift Brown zum Bogen: Auch dann dosiert er sein Vibrato derart dezent, dass die Balance zwischen "süß" und "holzig" fasziniert. Verglichen mit diesen gestochen scharfen Linien wirken viele andere Bassisten stumpf, verschwommen, wie unter der Wasseroberfläche gehört.
Ansonsten erlebt man einen entspannten Rundflug - über die Skyline historischer, aber lebendiger Stile und Standards. Dabei halten der Nachwuchsdrummer George Fludas und Pianist Larry Fuller locker mit.
Die Anekdoten von Little-Ray, der sich unter Count Basies Klavier versteckt hielt und stundenlang zuhörte, gibt Brown selbst zum Besten: "Whirlybird", "Captain Bill". Das Herzstück allerdings plaziert er ohne Aufhebens: "Brown Buzzin" - komponiert von Ray Brown. [...] - Anja Barckhausen

Westfälische Nachrichten - 27. April 2001
Der Bass kann singen, säuseln und seufzen
Ray Brown und Charlie Haden in Gronau

Es war 1952 in Omaha (Nebraska), als der 14-jährige Jazzfan Charlie Haden den 26 Jahre alten Ray Brown auf dem Bass spielen hörte. "Und diese Nacht hat mein Leben verändert. Ich wollte auch Jazzmusiker werden", gestand Haden am Mittwochabend in Gronau. Kein Wunder, dass er seinem Idol ein Stück widmete - zumal Brown diesen Beweis der Wertschätzung miterleben konnte: Brown hatte direkt nach Haden seinen Auftritt beim 13. Jazzfest.
Zwei Bassisten präsentierten ihre Musik, zwei unterschiedliche Ansatzpunkte wurden dabei deutlich. Unterschiede, die nicht zuletzt in der individuellen musikalischen Laufbahn begründet sind. Zu Anfang von Browns Karriere hatte der Bass vorwiegend begleitende Funktion. Doch zu Beginn der Bebop-Ära emanzipierten die Bassisten ihr Instrument. Aus Metrum wurde Rhythmus.
Brown erwies sich in Gronau als mitreißend-swingender Rhythmiker, aber auch als Musiker, der zeigte, dass des Bass auch einen Sound hat. Dass er röhren und fisteln, schnalzen und seufzen kann. Große Brillanz bewiesen Brown, Larry Fuller (Piano) und George Fludas (Schlagzeug) bei Standards: es war interessant, wie das Trio mit dem Material umging. Sie drehten Ellingtons "Caravan" intelligent durch den Musik-Wolf, indem sie Themen ausgliederten und neu zusammensetzten. Sie spielten mit den Charakteren der Instrumente: Während Brown sich tief über den Bass beugte, um höchstmögliche Töne zu erzeugen, rutschte Fuller auf seinem Schemel ganz nach links, um die tiefen Register zu bearbeiten. [...] - Martin Borck

Financial Times Deutschland - 11. April 01
Der alte Mann und der Bass
Ray Brown ist eine der letzten lebenden Legenden des Jazz. Zum Start seiner Deutschland-Tour in Gütersloh zeigte der 75-jährige Bassist, wie viel Energie perfekt gespielter Swing versprühen kann

London. Madrid. Istanbul. Zürich und Genf. Auf dem weiteren Programm stehen Moskau und Amsterdam. Und nun Gütersloh - der kleine Saal einer kleinen Stadthalle im ostwestfälischen Niemandsland, mit etwa 500 Zuhörern voll besetzt. Eine leicht erhobene Bühne, die Musiker integriert, ohne sie aus dem Saal zu heben. Ein Saal, der die Gemeinsamkeit zwischen den Musikern auf der Bühne und ihren Zuhörern nicht zerstört - der wie geschaffen ist für Jazz. Für eine Musik, die im Moment entsteht, in der Konfrontation zwischen Musikern und Publikum, für Musiker wie Ray Brown.
Das wissen die Menschen im Saal, die hier auf das einzige Deutschland-Konzert von Browns Trio mit dem alten Weggefährten Monty Alexander und dem vergleichsweise jungen Gitarristen Russell Malone warten. Man kennt sich aus der Szene, man kennt sich auch in Gütersloh. Vor allem kennen die örtlichen Jazzfreunde den quirligen Veranstalter Josef Honcia, dessen Engagement Gütersloh zu einer Metropole des Jazz in Deutschland verwandelt. [...]
Längst ist Ray Brown eine Legende. Lange Jahre residierte der Bassist aus Pittsburgh auf dem Olymp des swingbetonten Mainstream. Vor mehr als 50 Jahren spielte er als Bebop-Frischling an der Seite von Charlie Parker in Dizzy Gillespies Combo und Big-Band. Später begleitete er die unumstrittene Gesangs-Diva Ella Fitzgerald - privat als Ehemann und beruflich mit seinem Trio. Letztendlich entscheidend für seine Ruf als einer der ganz großen Bassisten des Jazz wurde die 15 Jahre währende Zusammenarbeit mit dem swingenden Tasten-Titan Oscar Peterson.
Nun steht er hier in Gütersloh auf der Bühne, noch immer eine stattliche Erscheinung, eng gruppiert mit seinem Trio - und wippt mit dem linken Fuß. Ray Brown fühlt sich sichtlich wohl. Vom Opener an, Fly Me To The Moon, einem köstlichen Schnulzen-Walzer, zeigt sein Trio, worum es geht: Swing, dieses rhythmische Drängen, diese Elastizität, diese Energie. Und dazu das Zusammenspiel, die Freude en den Einfällen der Spielpartner: Malones hochwandernde Augenbraue, wenn Alexander sich wieder in eine melodische Formulierung verbeißt - ein dahingestauntes "Yeah", oder dessen interessierter Blick, wenn Malone eine komplizierte Passage in simple Sekundsprünge auflöst.
Natürlich halten sich alle drei an einen engen, klanglichen Rahmen, natürlich rüttelt keiner an den Grenzen des Formats, drängt keiner über die Sprache des Jazz hinaus. Und dieses Idiom füllen sie abwechlungsreich, im Trio, in wechselnden Zweierkonstellationen, jeder im unbegleiteten Solo mit Phantasie, mit Können, mit Einfühlungsvermögen.
Ray Brown kennt sein Terrain, hier macht ihm noch immer keiner etwas vor. [...]
...Brown [hat] nichts an melodischem Einfallsreichtum eingebüßt, im Gegenteil. Sein veränderter Klang fügt sich stimmig in den Gesamtsound, und wenn er in harten Akzenten auf die Saiten peitscht, dann weiß jeder im Saal, was die Stunde geschlagen hat. Nach zwei ausgedehnten Sets und einer Zugabe ist die Feier vorbei. Ray Brown dankt für die vorgezogenen Geburtstagswünsche, "75 isn't too bad" [...] - Stefan Hentz

 

Neue Westfälische - 09. April 2001
Im Wunderland der tiefen Töne
Fantastisch: Jazz-Bass-Matador Ray Brown und sein Trio begeistern das Publikum in der Stadthalle

Der Stolz war berechtigt, mit dem Veranstalter Josef Honcia vor Konzertbeginn die Liste der Auftrittorte seines Stars vorlas. In neun europäischen Städten ist Jazz-Bass-Legende Ray Brown zur Zeit im Trio mit Pianist Monty Alexander und Gitarrist Russell Malone zu hören, aber nur in einer einzigen in Deutschland: Gütersloh. Kein Wunder, dass für dieses Konzert am Freitagabend sogar Fans aus Berlin und Hamburg anreisten. Und es hat sich gelohnt. Ein fabelhaft swingender Ray Brown und seine beiden ebenfalls fantastisch aufgelegten hochkarätigen Begleiter bescherten den 400 Zuhörern im seit langen ausverkauften kleinen Saal der Stadthalle einen Jazzabend der Superlative.
Ray Brown, in diesem Jahr auf "75th Birthday Celebration Tour", ist der Altmeister des akustischen Basses, unverwechselbar und von Tausenden nachgeahmt. An seiner typischen Art, eine schlichte Walking-Bass-Linie oder ein minutenlanges Solo spannungsreich und zugleich klassisch ausgewogen zu strukturieren, ist er sofort zu erkennen. Natürlich machen das viele andere auch, aber Ray Brown ist das Original, und das steht an diesem Abend vital und unternehmungslustig wie eh und je auf der Bühne.
Mit "Fly Me To The Moon" hebt das Trio gleich zu Beginn locker swingend ab auf ein Niveau der spieltechnischen Souveränität und des einvernehmlichen, dichten Zusammenwirkens, das auch im ostwestfälischen Jazz-Mekka Gütersloh nicht oft zu hören ist. Hier sind drei absolute Jazz-Schwergewichte am Werk, die nicht nur viel können, sondern die vor allem auch miteinander können, eine Voraussetzung, ohne die im Jazz über das gehobene Mittelmaß in der Regel nicht hinauszukommen ist. Mit dem aus Kingston, Jamaika, stammenden Pianisten Monty Alexander (56), von Oscar Peterson höchstselbst zu einem Nachfolger ernannt, hat Ray Brown Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger fünf Jahre lang zusammen gespielt. Dass diese beiden mit Russell Malone (37), dem virtuosen Bewahrer und behutsamen Modernisierer des klassischen Jazzgitarren-Erbes der fünfziger und sechziger Jahre, bestens harmonieren würden, lag eigentlich auf der Hand.
Selbstverständlich katapultiert dieses Trio den Jazz nicht in neue musikalische Dimensionen, aber Jazz hat immer auch Lebendigkeit, Spielfreude, Unterhaltung, ja Sinnlichkeit bedeutet, und das alles vermitteln diese drei Ausnahme-Musiker am Freitag auf bezwingende Weise. Das Vergnügen, mit dem sie sich Fats Wallers unverwüstlichem "Honeysuckle Rose" annehmen, zaubert einem unwillkürlich schon nach den ersten Takten ein Lächeln ins Gesicht. In seinem hingebungsvollen Solo über Duke Ellingtons "Do Nothin' Till You Hear From Me" lässt Ray Brown seine Könnerschaft und Musikalität zwischendurch auch einmal pur genießen, nimmt sein staunendes Publikum mit auf eine Reise durchs Wunderland der tiefen Töne.
Monty Alexander, der gewiefte Klavierfuchs, von Ray Brown als "the best, ever" gepriesen, erdet seinen orchestralen pianistischen Zugriff immer wieder mit Elementen des archaischen Stride-Stils. Russell Malone, würdiger Nachfahre von Sechs-Saiten-Göttern wir Charlie Christian, Grant Green oder Kenny Burrell, vollbringt auf seiner stets eine akustische Dimension bewahrenden Gitarre am laufenden Band wahre Wundertaten und wirkt dabei äußerlich so entspannt, als sei ihm das so selbstverständlich wie das Atmen. Die geradlinige rhythmische Begleitung absolviert er ebenso mit ganzem Herzen wie die superschnellen, originell phrasierten Single-Note-Linien. Und immer steht seine wirklich außergewöhnliche Technik wunderbar logisch im Dienst der musikalischen Aussage, sei es in Up-tempo-Stücken wie "Milestones" oder in dem ergreifenden langsamen Solo-Stück "You Needed Me" im zweiten Set.
Ray Brown, Monty Alexander, Russell Malone - drei Musiker, denen man, ob allein oder im Trio, stundenlang zuhören könnte, ohne dass einem langweilig wird. "75 isn't too bad", beruhigt Ray Brown zum Schluss augenzwinkernd alle Jüngeren im Saal. That's Jazz. Stehende Ovationen - (Thomas Klingebiel)

 

Die Glocke - 09. April 2001
Vielleicht eines der schönsten Konzerte in der Jazz-Reihe...
Bass-Legende Ray Brown gastierte anlässlich seiner Tour zum 75. Geburtstag in der Stadthalle. Das Publikum feierte ihn, Russell Malone und Monty Alexander mit stehenden Ovationen

Von den Jazzheroen des 20. Jahrhunderts, die in den letzten 20 Jahren in Josef Honcias Reihe "Jazz in Gütersloh" aufgetreten sind, dürfte Bass-Legende Ray Brown einer der wenigen Musiker sein, die sich ihre schöpferische Kraft und technische Frische bis ins hohe Alter erhalten können.
Als er am Freitagabend im ausverkauften Kleinen Saal der Stadthalle mit seinem einzigen Konzert in Deutschland seine durch die Metropolen Europas führende "75th Birthday Celebration Tour" beendete, wirkte der Meister so erholt und fit, als käme er von einer seiner geliebten Golfpartien.
[...] es scheint eher unwahrscheinlich, dass Ray Brown jemals eine solch perfekte kommunikative Intimität im mit Gitarre besetzten Jazz-Trio erreicht hat, wie sie in seiner aktuellen Geburtstagsbesetzung in Gütersloh zu Recht mit minutenlangen stehenden Ovationen gefeiert wurde.
[...] Ray Brown, der Boss, der seine Führungsrolle nicht autoritär ausspielen musste, sondern das Miteinander in diesem Kollektiv förderte und dabei nicht vergaß, seine außerordentliche Musikalität mit einem herrlich bluesigen Solo zu untermauern.
Sie alle [Ray Brown, Monty Alexander, Russell Malone] sorgten für ein Konzert, das, jenseits aller Stilkategorien, in seiner Ausgewogenheit der Kräfte, der ungebrochenen Spiellust und dem Erfindungsreichtum seiner Mitspieler vielleicht das schönste in der Geschichte der Jazz-Reihe war: einzigartig, unwiederholbar, unvergesslich. - (Matthias Gans)

 

Westfalen Blatt - 09. April 2001
Ein unvergessliches Bass-Solo
Jazz in Gütersloh: Ray Brown verzückt sein Publikum

Lange bevor der legendäre Ray Brown seinen Kontrabass in die Hand nahm und das Gütersloher Publikum zusammen mit Pianisten Monty Alexander und Gitarristen Russell Malone in die große, weite Welt des Jazz entführte, war schon klar, dass in der Stadthalle ein ganz besonderer Musiker zu Gast war. [...]
Als die Protagonisten des Abends dann endlich die Bühne betraten, gab es jedoch erstmal ehrfürchtigen Applaus - besonders der schon von seiner Statur her imposante Ray Brown hat mit seiner souverän-gelassenen Ausstrahlung bereits lange den letzten Winkel des Saales erreicht, bevor er überhaupt die erste Bass-Saite gezupft hatte. [...]
In der Mitte des zweiten Sets stand Ray Brown plötzlich von seinem Stuhl auf. Alexander und Malone verstummten, und der Pittsburgher setzte zu einem unvergesslichen Bass-Solo an: Mal zupfte er das riesige Instrument sanft, dann schlug er herb auf die Saiten ein, mal schlich er, dann raste er über den Hals seines "Spurhalters" - Ray Brown hat mit fast 75 Jahren nichts von seiner Fingerfertigkeit verloren. Der Lohn: tosender Applaus, die Jazz-Fans waren aus dem Häuschen. Was für ein Bassist... Am Ende der grandiosen Vorstellung schnappte sich Brown das Mikro und sprach aus was alle dachten: "75 is not too bad". - (Collin Klostermeier)

 

Süddeutsche Zeitung 25.7.00
Bass erstaunt

Der Mann wird 75, doch sein Auftreten zeichnet sich durch soviel Jugendlichkeit aus, dass man sich gut vorstellen kann, wie  er daheim mit seinen Enkeln vor dem Spiegel Luftgitarre übt. Ein wenig wie seine Jungs behandelt Basslegende Ray Brown übrigens auch seine Mitspieler an Schlagzeug und Flügel, Karriem Riggins und Larry Fuller; fast gönnerhaft fordert er nach deren Soli das Publikum auf zu applaudieren - die Begeisterung allerdings, mit der Brown ihr Spiel verfolgt und begleitet, ist sympathisch und ehrlich.

Mit wem hat dieser Musiker im Laufe seiner Karriere eigentlich noch nicht gespielt? Er war Mitglied der Dizzy-Gillespie-Big-Band, verheiratet mit Ella Fitzgerald und auch auf der Bühne ihr Begleiter, er arbeitete mit Oscar Peterson, Count Basie und Duke Ellington und war darüber hinaus in den Siebzigern gar Quincy Jones' Manager. Das Programm des Klaviersommer im Night Club des Bayerischen Hofs: gut gelaunte Standards von Ellison bis Monk, gespickt mit Anekdoten aus Browns langer Karriere und bezwingend durch seinen entspannten musikalischen Charme.

Am Ende des ersten Sets steht ein Monk-Medley: Karriem Riggins' Tanz mit dem Besen auf dem Becken seines Instruments zeugt von so viel Feingefühl in den Fingerspitzen, wie es einst Fred Astaire Film für Film als elegantes Steppdancing leichtfüßig unter Beweis stellte; wenn Ray Brown sein Instrument streicht, bekommt "Round Midnight" die Frühlingsfarben eines Streichquartetts von Faure. Es folgen "I Should Care" mit einem getragenen Larry-Fuller-Intro, "Summertime", und spätestens bei "I Don't Mean A Thing" gleicht die Atmosphäre im Nachtclub der eines Pop-Konzerts. In seiner Heimatstadt Pittsburgh würde jeder Musiker aus der Stadt gejagt, der während des Konzerts nicht wenigstens einen Blues spielt, erzählt Brown vor "The Real Blues". Spiel'' ihn nochmal, Ray! - (Matthias Kuhn)

 

Der Spiegel - Nr.5/ 1.2.99
Mann vom Mars

Er wurde berühmt als Bebop-Pionier und Meister des Swing. Nun startet der legendäre Jazzbassist Ray Brown eine Deutschlandtournee.

Schon äußerlich ist das Instrument dazu angetan, fast jeden, der sich an ihm versucht, zur Witzfigur zu degradieren - und auch in der Fachwelt genießen die Virtuosen am bauchigen Holzkasten wenig Respekt: "Als Kontrabassist sind Sie der letzte Dreck", jammert deshalb der traurige Held in Patrick Süskinds Bühnenstück "Der Kontrabaß".

Ray Brown kennt die Minderwertigkeitskomplexe seiner Kollegen: "Baßspieler sind im allgemeinen keine Führungspersönlichkeiten", sagt er, "aber im Jazz gibt es ein paar großartige Ausnahmen." Charles Mingus und Charlie Haden etwa brachten es zu Bandleader-Ruhm, "und überhaupt ist der Jazz für Bassisten ein Paradies. Wo sonst gibt es Baßsoli?" Trotzdem leistet auch im Jazz der gewöhnliche Bassist meist nur Basisarbeit - und darf allenfalls als Chef der Rhythmusgruppe das Tempo vorgeben. Genau das hat Ray Brown, ein massiger Mann mit großen Händen, in Orchestern von Louis Armstrong und Duke Ellington einst getan. Er begleitete Ella Fitzgerald (mit der er vier Jahre verheiratet war), gehörte zu den Gründern des Modern Jazz Quartet und spielte mit Sonny Rollins den Klassiker "Way Out West" ein. Mit den Stars von Jazz at the Philharmonic und mit dem Oscar Peterson Trio reiste er um die Welt.

Heute ist Brown 72, sieht 20 Jahre jünger aus und gilt in der Jazzgemeinde als unübertroffener Meister auf seinem Instrument - die Wiener "Presse" erhebt ihn gar zu einem "Gott des ewigen Jazz". Weil aber solche Komplimente immer ein wenig so klingen, als wünsche man dem Gepriesenen eine baldige Himmelfahrt, hat sich Brown nun abermals ans Werk gemacht und eine neue CD aufgenommen, die er im März auf einer Tour durch deutsche Konzertsäle vorstellt: "Some of My Best Friends... Are Singers" präsentiert Aufnahmen des Brown-Trios mit populären Jazzsängerinnen und -sängern wie Dee Dee Bridgewater und Kevin Mahogany - und ist eine Lehrstunde in der Kunst des Swings.

Als "vorwärtstreibenden Rhythmus bei unerschütterlich durchgehaltenem Tempo" hat der deutsche Gitarrist Volker Kriegel das unverwüstliche Jazzgrundelement des Swing einmal definiert; als "geradezu unheimlichen Sog, der einen ganzen Klangkörper mühelos gemeinsam abheben läßt".

Genau darin ist Brown bis heute unübertroffen - und er fand nichts dabei, mit seinen Künsten auch populären Showstars beizuspringen: Frank Sinatra etwa half er ebenso im Studio aus wie Linda Ronstadt für ihr Erfolgsalbum "What's New".

Angefangen hat Brown als Schüler im Orchester seine Junior High School in Pittsburgh, wo er meist Volkstümliches und Klassisches einstudierte. An den Wochenenden allerdings übte er zu den Jazzplatten seines Vaters; der war Koch und verdiente in der Woche zwölf Dollar.

Brown Junior brachte von seinen Auftritten mit lokalen Bands bald mehr nach Hause. "In Clubs, Ballsälen und auf Straßenfesten tanzten damals die Leute zu Swing und Blues", berichtet der Musiker - und zählt stolz Jazzgrößen auf, die aus seiner sonst als Amerikas Stahlküche bekannten Heimatstadt Pittsburgh stammen: Roy Eldrige etwa, Erroll Garner, Art Blakey und George Benson.

Als 19jähriger brach Brown 1945 nach New York auf, wo er bald von den Bebop-Stars Charlie Parker und Dizzy Gillespie engagiert wurde: "Unsere Musik klang damals so fremdartig", erklärt Brown, "daß uns die Leute 'Männer vom Mars' nannten."

Mitte der Sechziger zog Brown um nach Kalifornien, wo er bis heute lebt - und wurde bald nicht nur als Musiker, sondern auch als Geschäftsmann geachtet: Oscar Peterson und andere Jazzgrößen überließen ihrem Bassisten Brown oft das Aushandeln der Verträge: An Selbstbewußtsein und Lebenstüchtigkeit konnte es kaum einer mit ihm aufnehmen.

So vertrat Brown jahrelang die Interessen von Quincy Jones, der später als Produzent der Pop-Ikone Michael Jackson zum vielleicht wichtigsten Mann der Branche aufstieg; er managte das Modern Jazz Quartet, in dem er einst gespielt hatte - und litt: "In den Kulissen zu stehen und nur zuzuhören - das war kaum auszuhalten."

Also kehrte Brown ins Studio und auf die Bühne zurück - und gibt sich heute, ganz gegen die Gepflogenheiten des Bassistenstandes, als glücklicher Mensch: "Warum sollte ich jammern oder mich mit Komplexen quälen?" fragt er. "Ich werde bestens bezahlt für das, was ich am liebsten tue." - (Hans Hielscher)

 

Vaterland - Donnerstag 08.10.1998
Ein besonderer Abend für Freunde des Jazz
Ray Brown gastierte mit seinem Trio im TaK. Seine Fans konnten einen wunderschönen Abend geniessen.

[...] Es war ein Genuss, diesem Trio zuzuhören. Jeder einzelne ein Könner und doch der unmerklichen Führung von Ray Brown ergeben, war es Jazz vom Feinsten, was da in Schaan zu hören war. Dabei ist der Bass nicht einmal ein typisches Jazz Instrument gewesen. Es ist sehr europäisch, im Jazz ein Rhythmusinstrument, und doch war der Bass von Ray Brown wie eine dunkle samtene Landschaft, auf der Piano und Schlagzeug nach Belieben spielen konnten.[...]

Nach der Pause zeigte Ray Brown seine Meisterschaft mit dem gestrichenen Bass, ein Ton, der bis ins Mark ging. Auch in einem späteren Stück griff Ray wieder zum Bogen, die Melodie ist von besonderer Qualität, voller Weisheit möchte man sagen, wenn das nicht eine zu unübliche Sprache bei eine Jazzkonzert wäre.

Zwei Zugaben

Es gab noch zwei Zugaben, bevor das begeisterte Publikum die Musiker ziehen lies. Auch hierbei bei zum letzten, sanft verklingenden Ton durchdacht gespielt, perfekt, Alte Schule eben! (mgd)

 

Stuttgarter Zeitung - Freitag 14.11.1997
Auf dem Weg zur Legende
Gastspiel des Ray Brown Trios bei Karstadt

Ray Brown ließ sich mit der Entwicklung seiner eigenen Karriere enorm lange Zeit. Daß er zu den größten Kontrabassisten gehört, wußten die Jazzfans seit seiner Zeit im Trio von Oscar Peterson, ja eigentlich schon seit er in den fünfziger Jahren mit "Jazz At The Philharmonic" tourte. Aber als Bandleader machte sich der Gigant ziemlich rar. Erst vor etwas mehr als fünf Jahren hat er sich entschieden, vor allem unter eigenem Namen zu reisen, und so schafft er es noch zur Legende, die einen ordentlichen Fundus an späten Platten hinterläßt.

Ausverkauft waren die Sitzplätze im Kaufhaus Karstadt, auch stehende Gäste hatten noch Platz gefunden. Kalt und nüchtern wirkte der Raum zunächst, doch die sterile Atmosphäre wich mit den ersten Tönen aus Ray Browns Kontrabaß: die Musik veränderte den Raum. Wie ein behäbiger alter Bär, den nichts mehr umstoßen kann, stand der Siebzigjährige zwischen seinen jüngeren Partnern, dem 1970 geborenen Schlagzeuger Gregory Hutchinson und dem Pianisten Benny Green [...].

Auch wenn er seine Ensemblemitglieder deutlich herausstellte, vergaß Ray Brown natürlich nicht, daß sein Publikum nicht nur jene genial melodische Begleitung von ihm erwartet, sondern auch noch eine Reihe von Baß-Features. Wie er in "Freddie Freeloader" völlig unauffällig und wie selbstverständlich die Melodie führte, während Benny Green vor allem lichte Räume öffnete, oder in "Little Red Hood" sein Instrument singen ließ, ging unter die Haut.

Kraftvoll fiel dagegen "Captain Bill" aus, eine Hommage an Count Basie. Und wie raffiniert die drei als Zugabe "Summertime" umdeuteten und den Blues deutlich heraushoben! Wer dieses Konzert erlebt hat, hat allen Grund zu schwärmen. (Werner Stiefele)

 

International Herald Tribune - Thursday, May 23, 1996
Way Out West: Ray Brown and His Lucky Star

Lucerne, Switzerland - Speaking of Dizzy Gillespie, Raybrown - which sounds right pronounced just like that, one walking sostenuto phrase - speculates about his luck: "I don't want to question fate, but I can't help but wonder how much of what happened was me, and how much my lucky star."
In 1946, Ray Brown left Snookum Russell's band in Miami and took a 24-hour bus ride to visit his aunt in New York. After dinner he went to 52nd Street and found what he had been looking for ... The Three Deuces, The Downbeat, The Onyx Club. .. Coleman Hawkins, Erroll Garner, Art Tatum ... Heaven.
His friend Hank Jones introduced him to Gillespie, who just happened to be walking by. And Dizzy said: "Oh, a bass player. You want a job?"
When Brown showed up (on time) for a rehearsal the following day, he was introduced to his new band mates - Charlie Parker, Bud Powell and max Roach. Twenty years old, a complete unknown, only 24 hours in town. Go figure.
He prefers to play with what's known as a piano trio, and he did that for 15 years with Oscar Peterson (and Herb Ellis). Now that he leads one, though, he asks: "What piano trio? This is a bass trio."
"Audiences will accept the bass playing the melody on 'Mona Lisa' and 'St. Louis Blues,'" he says, "as long as it's presented properly." Not strictly so. They'll accept Ray Brown presenting it. Brown looks, thinks, acts and sounds like a leader.
Aside from John Kirby, Charles Mingus and Charlie Haden, few bass players have become known as leaders. A team player who flourishes in the background, a bassist's job is to construct the essential central brigde between melody, harmony and rhythm. After 50 years of métier, Brown grew tired of being the power behind the throne. He began to ask, "What about me?"
He will be 70 on Oct. 13, and last month he completed a "Happy Birthday Ray" tour of Europe. His bass trio (with hot youngster Benny Green on piano and Greg Hutchinson, drums) played 35 concerts (32 sold out) in expensive, prestigious venues like the Golden Hall of the Musikverein in Vienna. There were standing ovations and encores. Brown describes this new rare atmosphere he finds himself in as like "being on a plane and the weather's awful and then you break through the clouds nd it's a bright sunny day."
The weather was awful in Lucerne whre he was performing Lalo Schifrin's "Jazz Meets the Symphony" program (he also recently played a concert with Andre Previn). "Awful" can be relative, though. Have you noticed? It's always sunny in first class. Particularly when good taste and creativity pay the bills. And Brown's outlook is bright to begin with.
He travels like a star, his road is no onus. He has a cabal of friends wherever he goes. He gets well paid for having fun on the bandstand.
The man never plays tedious music. How to avoid playing music that's not fun, according to Ray Brown: "Some guy I never heard of will call me for a record session and I'll tell him my price is $7.500. Usually, he'll gasp and say, 'For a sideman?!' Thank you anyway.' Every once in a while, though, they'll say, 'That's fine.' Then I'm in trouble."
With his combination of talent, smarts, hard work, optimism and remarkable luck, it's hard to imagine him in trouble. In high school in Pittsburgh, the orchestra was one bass player short he picked up the school's spare instrument. What followed was, if not simple, inevitable. He was Frank Sinatra's first-call bassist, and he accompanied Billie Holiday, Billy Eckstine, Tony Bennett, Peggy Lee, Sarah Vaughan and Ella Fitzgerald (they were married; he was also her musical director). Along the way he learned how to play every song in every key.
In the '60s, he moved to Los Angeles so he could "play golf and music all year round." ("Way Out West," with Sonny Rollins, Ray Brown and Shelly Manne is a cult classic.) He and his wife, Cecilia, spend six weeks a year in their time-share in Hawaii. He worked with Joey Bishop, Red Skelton, Smothers Brothers and Merv Griffin TV shows, and he wrote Steve Allen's theme song, which won a Grammy.
Eighteen years as a regular with Jazz at the Philharmonic ended because of "all that stupid honking and squealing." (It wasn't fun.) His tune for Dizzy "One Bass Hit" was a homer, and Brown played bass with Dizzy the night Jimmy Carter sang "Salt Peanuts" in the White House.
In hindsight, one of his "lucky breaks" turned out to be a diversion more than luck; though it could not be called bad luck, and it certainly was a lucrative break. His friend Quincy Jones had recently moved to Hollywood and was looking to break into the studios. Brown jsut happened to be in the room when Jones received a phone call asking him to write arrangements for an Aretha Franklin record. "You think I ought to do it?" Jones asked Brown.
"Tell him you'll write it if you can produce it too," Brown advised. "Oh no," Jones said. "He'll never go for that." "So what? You don't need him," Brown replied. Doubtful Jones asked: "Will you tell him that then?" Brown said, "Sure." The producer eventually agreed, and Brown became Jones's manager. (He also managed the Modern Jazz Quartet.)
The percentage wasn't enough when you figure that it got in the way of the fun: "I tried to put the bass in the corner and not touch it, but I was kidding myself. I guess I won't quit until they lower the lid on me."
"How does it feel to be 70?"
His trio will be on tour from July through October. Telarc is releasing a series of all-star albums under his name: "I'm ready to roll. When I'm home, I get up at 6:30, practice for an hour, go hit some golf balls, run around and do what I have to do, and then I'l grab the bass for another hour before going to bed. I drink a little wine with dinner, that's all. I don't abuse it. I don't smoke. I play as often as possible with younger guys because having your own band can be too comfortable, like a cocoon. You've got to keep putting your butt on the line, put yourself in perilous situations, if you don't want to grow old."
(Mike Zwerin)

 

Tribune De Genève - Samedi-Dimanche 23-24 Mars 1996
Jubilation in jazz à Cully
En trio, le bassiste septuagénaire Ray Brown met le chapiteau en transe, et recoit une ovation debout ainsi qu'un gâteau d'anniversaire.

Septante ans, toutes ses dents: le bassiste Ray Brown promène toujours son sourire kolynos, sa vaste carrure et sa musique à la fois msuclée at jubilatoire sur les scènes du jazz. iloeuvrait en trio en cette septième soirée du Festival de jazz de Cully Lavaux, avec Benny Green au piano et Greg Hutchinson à la batterie. Si la carrure médiatique du trio repose sur les larges épaules du bassiste, la valeur musicale naît avant tout des doigts volubiles du pianiste qui porte quasiment seul tout le poids mélodique de l'ensemble.

Perles sur un collier

Qui s'en plaindrait à l'écoute de ce soliste d'exception. Certes, on pourrait évoquer à son propos les déboulés à la Oscar Peterson, les traits mélodiques en parallèle sur les deux mains à la Phineas Newborn, la ralentendo swinguant à Erroll Garner, le bockcord style à la Milton Buckner. Ce serait faire injustice car si Benny Green emprisonne dans ses doigts toute la culture pianistique du jazz, il en tire un discours très personnel, enfilant une multitude de petites inventions comme des perles sur le collier de ses improvisations.

Il a le sens du contraste, par alternances de volubilité et de rigueur, par boitement de rythmes par succession de traits harmoniques tantôt consonants, tantôt dissociés. Couronnant le tout, un swing irrésistible, ravageur.

Il est vrai que l'irrésistible en la matière commence par Ray Brown qui a concentré tout son talent dans le meilleur des accompagnements. Son jeu simple, rigoureux, précis, l'ampleur impérieuse de sa sonorité, sa science de l'harmonie préfigurent une section rythmique à eux seuls. Pas étonnant que lorsqu'il débarqua à New York en 1946, Dizzy Gillespie l'ait engagé, qu'il ait accompagné sa femme ensuite, Ella Fitzgerald, qu'il ait fait partie du plus prestigieux trio d'Oscar Peterson et de tant d'autres formations toutes aussi renommées. Soliste peu disert parce que mélodicien avant tout, plus préoccupé de génie harmonique que de virtuosité, il se révèle dans sa richesse par une écoute attentive.

Quant à Greg Hutchinson, la régularité de sa pulsion, la richesse de sa relance l'inscrivent pleinement dans la belle réussite de ce trio. Aussi la fin de la soirée se conclut-elle par une standing ovation et un Hapy Birthday repris en choeur, tandis qu'une charmante hôtesse offrait un gâteau d'anniversaire au grand bassiste. (René Langel)

 

 Le Monde - Vendredi 06 Juillet 2001
Vienne fête l'anniversaire de Ray Brown avec Dee Dee Bridgewater pour témoin


Monsieur Raymond Matthews Brown, "Ray" Brown, contrebassiste de son état, est né à Philadelphie en 1926. Le 26 Octobre prochain, il doublera 75 ans. C'est un acteur considérable du jazz. Pour sa tournée anniversaire, il a levé une petite troupe sans histoire, des musiciens de second plan solides et plaisants sur la route: ainsi Jeff Hamilton (batterie) qui remplaca Shelly Manne dans le L.A. Four fondé par Ray Brown en 1974; ainsi James Morrison (trompette), Harry Allen (ténor), plus une chanteuse très gracieuse, Melissa Walker, qui ne devrait pas faire oublier Ella Fitzgerald. Ni Dee Dee Bridgewater.

Ray Brown fut un des maris d'Ella. Monsieur Henry "Hank" Jones (83 ans le 31 Juillet prochain), un de ses desservants. Il est, dans le groupe anniversaire de Ray Brown, l'autre musicien de premier plan (piano). C'est un des êtres les plus distingués de la musique afro-américaine. Le voir en scène est une joie, et donc une des surprises de la tournée. Se demander aux premiers accords comment diable il va prendre "Insensitive" que vient d'attaquer la belle Melissa: une des jouissances minuscules d'un concert.
Ray Brown, le premier de cordée à avoir su intégrer les conceptions de Dizzy Gillespie à qui le présenta Hank Jones en 1946, n'a rien perdu de sa précision, de ses lignes lumineuses, de sa démarche rythmique: cette ambulation chaloupée de géant débonnaire. Seul le son de la basse, énorme comme la voix d'un volcan que le dieu des mains apaise, bénéficie, pardi!, d'une amplification flatteuse à l'oreille, sans rapport avec sa splendeur et sa plénitude originelles, mais dont tout le monde, lui le premier, se réjouit. Bref, à tous égards, c'est le concert type pour le festival de Vienne.